Ist bei Ihnen alles im Fluss?

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Ob flaches Flussufer oder bewachsene Bach-Böschung: Am Wasser findet man meist einigen Müll! Viele Menschen lieben es, am Wasser zu entspannen, und im schönen Jena gibt es jede Menge Wasser liebender Einwohner, die ihre Freizeit am Saalestrand verbringen. Dies wird meist mit Essen und Trinken verbunden, man chillt mit Freunden, snackt mit der Familie oder es wird (na klar) gebraten! –> Thüringer grillen nicht!

Übrig bleibt selbst bei gut meinenden Genießern manchmal die weggewehte Obsttüte, Kronkorken oder Plastikteile. Bei den rücksichtsloseren wird die Fertignahrung aus der Plastikhaut geschält und liegengelassen. Doch der Abfall bleibt nicht harmlos liegen, bis sich ein Spaziergänger erbarmt und sich danach bückt. Wie wir wissen, nimmt das Wasser die Hinterlassenschaften in alle Weltmeere mit. Es zerreibt das Plastik, spült den Müll anderswo an und lässt ihn unter der trügerisch reinen Wasseroberfläche verschwinden. Und dann gibt es noch Wind und Wetter, die das Zeug ins Dickicht und an unzugängliche Stellen befördern. Zerfallen die Kunststoffe, ist das leider nicht das Ende vom Lied, denn die Kohlenstoffverbindungen halten als Mikroplastik weiter zusammen und verteilen sich dabei in alle Elemente und Himmelsrichtungen… Kleines Zitat vom Fraunhofer-Institut: https://www.initiative-mikroplastik.de/index.php/themen/zersetzungskinetik

„Bei der Wandlung von größeren Kunststoffteilen zu Mikroplastik zerfallen makroskopische Kunststoffteile, häufig durch mechanische Einwirkungen, in immer größere Anzahlen kleinerer Partikel. Dieser Zerfall (Fragmentierung) darf nicht mit dem biologischen Abbau verwechselt werden. Generell muss unterschieden werden zwischen Fragmentierung (mechanisch), Zersetzung (chemisch), Verwitterung (physikalisch) und dem biotischen Abbau durch Organismen.“

Bei mir sieht das Ufer der Saale jedoch relativ gut aus! Also gut, die Bilder von der vollen Mülltüte sind dort am letzten Wochenende entstanden, aber dennoch war es RELATIV sauber! Im Vergleich zu weniger umsorgten Orten, wie dem Stück Wald am Stadtrand oder dem Park vor unserer Tür in Berlin…

Ich hab ein Date mit dem Dreck

Und zwar ein Blind Date: die Blätter haben alles unter sich begraben! Das ständig fallende Laub macht es richtig schwer, alles, was vor mehr als einem Tag weggeworfen worden ist, auszumachen. Ich stiebe mit den Schuhen in die Blätter hinein und wünsche mir, vier Wochen eher losgegangen zu sein… Im Lauf des Jahres wird der Abfall eben langsam begraben und immer mehr mit der Erde vermischt. Besonders im Herbst. Ich finde dennoch eine Vielzahl an halb zersetzten, brüchigen Plastikfolien, Beuteln und ehemaligen Verpackungen, die in der Erde stecken! Sie ließen sich kaum herauswinden und zerfielen unglücklicherweise oft in Brösel. Also lagen die bereits ein bis x Jahre hier herum – je nach Sonneneinstrahlung und Verwitterungsbedingungen.

Foto ©S. Brüning
Steckte tief im Boden.

Diese Gemüseschale grub ich unter Mühen tief aus der Erde aus, die Wurzeln der jungen Bäume waren schon um sie herum gewachsen. Überall, wo es zunächst sauber aussah, fand ich Plastikfolie, Bänder und Kleinteile, die im Uferschlamm steckten oder sonst wo Einzug in die Natur gehalten hatten. 😦

FUNDSACHEN

 

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Foto ©S. Brüning
Der Lohn der Mühe 😀

Angesichts der Aktivitäten der Menschen am Wasser passen auch die Abfälle, die ich fand, sehr gut ins Bild. Hier im letzten Foto der Überblick: Vorne im Bild die zerfallenden Plastikteilchen… dahinter ein Teil des Riesenfundes an Alufolie, die irgendein irrer Griller in vielen einzelnen Fetzen hinterlassen hatte. Links eine Rucksackschnalle, eins der Dinge, die eben kaputt gehen, und manchmal draußen herunterfallen – so was, finde ich, ist schwer zu vermeiden. Dann Dosen und Getränkekartons, die von Ignoranz künden, und die allseits beliebten Bier- und Getränkeflaschen. Sie waren das Schwerste am Fund, eine war noch mit hellbraun gewordener Cola gefüllt ;D, die habe ich ausgeschüttet. Jedoch brachten sie mir beim Supermarkt, an dem ich vorbei kam, wenigstens ein paar Cent „Lohn“ ein.

Dann gab es Kleidung, einen alten Kinderpullover, einen Socken und später Fetzen einer Hundedecke oder so etwas.

Leider fand ich auch Hundekot-Tüten. Ich hatte es befürchtet, irgendwie verlieren die Hundehalter die Tüten ab und an unterwegs… sonst wären die ja nicht zugeknotet und zurückgelassen. Aber die Dinger stinken auch verpackt noch, das macht nicht so viel Spaß, die einzusammeln.

Dann stieß ich auf dem Rückweg auf Teile einer beschichteten Pappe… Erst konnte ich die gewellte Verstärkerpappe, geklebt zwischen zwei Hochglanzseiten, nicht einordnen, dann erkannte ich ein zerfetztes Wahlplakat darin! Die letzten Jahre fiel mir vor allen Wahlen extrem auf, dass haufenweise Plakate zerschlitzt, zerrissen, heruntergeschnitten werden von ihren Laternenmasten. Was mich nicht die Bohne stört, bloß macht es eine UNMENGE an Dreck! Die Plakatteile fliegen wunderbar weit in die umgebende Natur hinein und scheinen nicht nur aus Pappe zu bestehen! Ich hatte also noch 500 g mehr einzusammeln und zu tragen. Danke ihr Un-Demokraten.

 

Mülleimer-Misere

Auch aus der unbedacht befüllten Mülltonne gelangt so manches wieder ans Tageslicht: Tiere wickeln es auf der Suche nach Essbarem wieder aus, Elstern zupfen an funkelnden Folien, Katzen haben nachts viel Zeit… und der Wind ist ja auch noch da. Locker auf vollen Tonnen liegender Müll führt ganz leicht zu unerwünschten Flugobjekten.

Doch erst mal einen Mülleimer zum Loswerden finden! Meine geschätzten 5 kg Ufermüll bestanden zum Großteil aus Zeug für die Gelbe Tonne. Nun weiß ich nicht, wie das bei Ihnen und bei dir ist, aber hier in der Stadt gibt es fast nur überquellende Gelb-Tonnen. Es häuft sich, bis die Müllabfuhr *gottseidank* die vollgestopften Stinker leer macht und man endlich wieder seine in der Küche miefenden Verbundstoffe wegtragen kann.

Ich trug derweil mit etwas mulmigem Gefühl meinen 5-Tonner Müllsack vom Fluss Richtung Wohnhäuser und hoffe, ihn nicht noch die 1000 Meter weiter bis zu meinem Haus tragen zu müssen. Angekommen bei einer gänzlich leeren, sonnigen Tonne am ersten Haus atmete ich auf, und entspannte meine schmerzenden Unterarme. Wie ich so die Verpackungen von Papier und Stoff trenne, kommt eine Frau mit großen Augen näher, will an mir vorbeigehen, mein Blick trifft jedoch ihren erschreckten, und sie bleibt stehen. „Das ist alles vom Flussufer“, sage ich zu ihr, entschuldigend und stolz gleichzeitig. „Jaa…“, beginnt sie empört, „aber die Gelben Tonnen sind halt immer voll!“. Ich verstehe das und erkläre, dass ich den Müll dann verteilen werde, auf mehrere Tonnen. Und so viel sei es ja auch nicht, die Flaschen und den anderen Kram abgezogen. Das reicht ihr wohl aus, denn sie lässt mich weiter sortieren. Schade, dass sie sich nicht gefreut hat.

In unserem Haus kriegen die Bewohner es mit den Verpackungen meist gut hin, es geht fast immer alles rein. Allerdings stehen manchmal Müllbeutel ohne Erklärung neben der Tonne, wie angebundene Hunde. Sie wirken, als warteten sie auf ihren Besitzer oder einen neuen, der ihren Inhalt irgendwie noch zu verwenden weiß… Auch die Verschenk’s Regale und Kisten sind große Mode hier, es gibt vielleicht ein oder anderthalb Dutzend solcher Regale, aber das ist vielen noch zu weit. Deshalb steht in jeder zweiten Straße ein Karton mit der Aufschrift „Zu verschenken!“ herum. Manche sind wahre Schatztruhen, andere enthalten nur zerbrochenen Kram und werden leicht für weitere Müllentsorgung missbraucht. Doch auch viele unbeschriftete Dinge stehen auf der Straße, ohne, dass jemals ein Sperrmülltermin ausgemacht wurde oder je werden wird.

Ich bin ja inzwischen ernsthaft überzeugt, dass die Menschen dies tun, weil sie das Gefühl haben, der Wert dieser Dinge sollte nicht einfach so verschwendet werden. Ihre alten Schätze und nun ersetzten, aber einstmals geldwerten Sachen sollten nicht in einer dunklen, schmierigen Tonne mit lauter verfaulenden Resten ihr Ende finden. Irgendwie müssten die Dinge doch noch zu etwas gut sein, oder? Und so überlassen sie es der Stadt und ihren Nachbarn, sich dafür etwas zu überlegen.

Aber nein, das kaputte Rollo repariert keiner mehr. Der fleckige Teppich und die angeschlagenen Regale werden auch nur noch vom Wetter weiter mitgenommen. Außer vielleicht von so einem Verrückten, der das Türglas vom Schrank noch auf der Kommode seiner Oma installieren will und beschließt, die alten Klamotten zu stopfen, weil sie schön warm oder weich sind. Und diese spezielle Spezies trägt auch fremden Müll wieder weg vom Strand. Wär‘ doch lebenswert, so miteinander zu leben.

 

Wenn jemand mal mitsammeln möchte oder einen vermüllten Fleck Erde befreien will, give me a shout und wir nehmen uns den Dreck vor! Blog-Artikel inklusive. 🙂

 

Infos zu „Strandmüll“

Zigarettenfilter  –> enthalten Giftstoffe, sind kein Papier!

Kronkorken –> sind innen mit Plastik beschichtet.

Beschichtete Verpackungen, die aussehen, wie Papier –> mit etwas Übung an Haptik und Stabilität erkennbar, ein Reißtest zeigt oft die Plastikschicht.

Glasflaschen –> sind eine Gefahr für uns Menschen, vor allem Kinder (und Fahrräder), sobald sie kaputt gehen

PET-Flaschen –> zerfallen so gut wie NICHT in den nächsten 500 Jahren. Sind sehr energiereich und können gut recycelt werden!

Plastikflaschen/Tüten/Umverpackungen/Plastebeutel und -teile… –> gar nicht kaufen! Energieverschwendung, Umweltrisiko. Böse böse.

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