Das PloggXperiment

Plogging. Eine Feldstudie

Begriffsdefinition: Plogging –> Wortkontamination aus dem schwedischen Wort für „aufheben“, „plocka upp“, und dem Wort für „moderates Rennen“, Jogging, gebildet.

Ziele:

  • Ressourcen der Wiederverwendung oder der Energiegewinnung zuführen
  • Fitness fördern
  • Säubern der Umwelt und Schützen aller Lebewesen dieser Erde
  • Vorbildfunktion/ Animation zum Nachmachen
Zeitpunkt: Datum 05.10.18 (Herbst), 17:05 Uhr – ca. 17:35 Uhr
Äußere Bedingungen: — Sonnenschein — 18 ° C — Windgeschwindigkeit 20 km/h — belebte Straße
Versuchsverlauf: Laufen, Müll sichten, aufsammeln, einsacken, weiterlaufen. Sobald voll, Müll analysieren, sortieren, entsorgen.
Hilfsmittel: 2 motivierte Probanden, 2 Paar Handschuhe, 2 Müllbeutel, Sportkleidung
Vorbereitung: Sportsachen anziehen, Handschuhe auch, Beutel mitnehmen, Motivation auch.

© S. Brüning

Beschreibung:

Bei diesem Versuch wurde an zwei Personen getestet, wie tauglich die neue
Trendsportart „Plogging“ für die Freizeitgestaltung, Umwelt und Fitness ist. Zudem wurde die Menge an Müll auf einer probeweisen Strecke von 1 km Gehweg eruiert.

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Der Ablauf des Versuchs hat von der mittleren bis guten Fitness der Probanden profitiert. Sie waren in der Lage, die Strecke bis zum Zeitpunkt der vollen Müllsäcke im Laufschritt mit Bücken zurückzulegen.

Obwohl diese Grundfitness eine gute Voraussetzung für das Plogging ist, können auch Ploggiergänger (spazierengehende Plogger) den Sport durchführen; sie nehmen einfach eine ihnen jeweils angenehme Geschwindigkeit ein. Dabei können ggf. die Muskeln für spätere schnellere Gangarten trainiert werden oder das jeweilige Wetter/ die Umgebung genossen werden.

Das Laufen an sich begann nach dem Anstellen einer Tracking-App (eine nicht notwendige Software, die per Satellit den Fortschritt der Ploggenden verfolgt) rasch und problemlos. Die Müllsäcke ließen sich beim Laufen leicht tragen und verursachten keinen unangenehmen Luftwiderstand.
Allerdings wurde das Laufen bald (nach etwa 2 Metern) von den ersten Müllsichtungen verlangsamt. Generell kann festgestellt werden, dass beim Ploggen durch häufiges, rasches Bücken das Tempo verlangsamt wird. Ebenso beim Eintüten unförmiger Gegenstände in den Müllsack (beispielsweise einer langen Papierschlange…). Dafür wird der beploggte Weg umso sauberer; man muss sich also für einen Hauptaspekt (Geschwindigkeit oder Sauberkeit) entscheiden.

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©S. Brüning

Eine günstige Technik beim Aufheben von boden-ständigem Müll stellt das schwungvolle Ausstrecken eines Armes vorwärts in Richtung des Gegenstands dar, während der Läufer etwas in die Knie geht und sich seitlich Richtung Boden beugt, wobei er weiterläuft. Der Körper erfährt so eine seitliche Dehnung sowie eine hohe Beanspruchung der Hüft- und Beinmuskulatur, die normales Joggen nicht bietet. Zudem muss die Geschwindigkeit nur um 1/3 bis 1/2 gesenkt werden im Gegensatz zu einer Technik, bei der für jeden Mist angehalten wird. Günstig ist ein Wechsel des Plocka-Arms (schwed. „Aufheb“-Arms), um eine gleichmäßige Belastung zu gewährleisten.

Zusammensetzung des Mülls:
Es fanden sich vielerlei Plastikverpackungen, Verbundstoffe, Alufolien, Papiere in verschiedenen Verrottungszuständen und Zigarettenstummel. Letztere konnten aber aufgrund der angestrebten Geschwindigkeit (mindestens ein Laufschritt) zum Großteil nicht entfernt werden.

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©S. Brüning

Reaktionen:
Den Läufern wurde von Passanten viel Aufmerksamkeit zuteil, fast alle beobachteten sie meist verwundert. Zitat der Probanden: „Die dachten, wir sind total bescheuert“ bzw. „Die fragen sich sicher, ob wir Sozialstunden abarbeiten“.

Es gab eine Wortmeldung auf der Strecke. Eine Frau im Alter von circa 70 Jahren sagte: „Sie machen es genau richtig!“. Dies wurde als positive Reaktion gewertet und hatte eine Geschwindigkeitssteigerung der Probanden zur Folge.

Problematiken:
Die Mülldichte auf der Strecke wurde unterschätzt, da die Müllbeutel bereits nach 1 km voll waren. 1 Proband hatte zudem nach dieser Strecke ein Ziehen im Oberschenkel durch das häufige Bücken im Lauf.

Ergebnisse:

Die Beutel wurden fotografiert, der Müll sortiert und fachgerecht in die Tonnen für Papier, Verbundmaterialien und Restmüll (sowie eine Banane in den Biomüll) entsorgt. Es sind etwa 150 Stück Müll mit einem Gewicht von circa 5 kg  und einer Länge von 2 – 70 cm eingesammelt worden.
Desweiteren:
Schwitzende Probanden
– geistiger Zustand von Zufriedenheit
Sauberer Weg

 

Die 5 meist gefundenen Müllarten:IMG_1357
Zigarettenschachteln,
Bonbonpapiere,
Kippen,
Kaffeebecher,
Auto-Ankauf-Werbezettel (MIT Plastik überzogen).

 

Fazit:
Das Hauptziel des Experimentes, einen sauberen Weg zu erhalten, wurde erreicht. Kleinteile bzw. sich zu Mikroplastik zersetzender Müll muss VOR dem Ploggen von allen Mitmenschen verhindert werden. Fitnesstechnisch war die Herausforderung vor allem durch das ständige Bücken gegeben, hierbei haben Menschen mit dehnbaren Bändern einen großen Vorteil, da sie nicht tief in die Knie gehen müssen; die anderen haben ein extra Oberschenkeltraining. Es kann bei gutem Wetter mit einer Aufnahme von Vitamin D gerechnet werden. Das Wohlbefinden der Probanden war durchweg gut und wird vermutlich zu einer Wiederholung als Ploggiergang führen.

Es bietet sich vor allem an, Alufolien, Verbundstoffe wie TetraPak und Plastik zu sammeln. Papier füllt die Beutel zu schnell und ist bei nicht-Einsammeln bei seiner Zersetzung nicht umweltschädlich. Zudem kann es aufgrund des oft schlechten Zustands kaum mehr recycelt werden. Gerade Plastik zersetzt sich in kleinste Teilchen, die sich in allen Elementen verteilen.

Tipp: Vor dem Lauf sollte geprüft werden, ob entlang der Strecke Mülltonnen zugänglich sind. Ansonsten bleibt nur, den Müll mit nach Hause zu nehmen um ihn loszuwerden und sortieren zu können.

 

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©S. Brüning

5 Kommentare zu „Das PloggXperiment

  1. Das Unternehmen ist nicht nur eine sportliche Leistung, wie der vorige Kommentar urteilt.

    Ich finde, der Beitrag sollte an die Stadtverwaltung, an die Lokalpresse und das zuständige Müllunternehmen etc. geschickt werden. Auch sollte man andere soziale Projekte darum bitten, ihn zu verlinken + zu kommentieren …

  2. Spitzensportler? Danke, da fühlt man sich geschmeichelt 😀
    Es war aber in der Tat eine interessante, erfolgreiche, zufriedenstellende und durchaus spaßige Erfahrung, die keine Einzelaktion bleiben sollte.
    Wie Sophie schon schrieb, macht es am meisten Sinn, diese Läufe auf naturnahen Strecken auszuüben, die nicht von der Stadt gesäubert werden und sich beim Sammeln auf die schädlichen Stoffe wie Plastik und Metalle zu konzentrieren. Ansonsten wird aus dem Plogging durch die Straßen ein reines „Plokka upp“ ohne Jogganteil mit gelegentlicher Verschiebung des Aktionsraumes 😉

    Ob sich dieser Trend durchsetzt und weitere Nachahmer findet ist noch schwer zu sagen. Mir persönlich sind bisher noch keine Plogger über den Weg gelaufen. Daher ist eine weitere Verbreitung des Themas und dieses Artikels wirklich sinnvoll und nützlich. Werde daher mit der Verbreitung auf Facebook mal anfangen 😉

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