Wochenendvergnügungen

Das Wochenende ist doch eine nützliche Erfindung… man kann sich ausruhen und manchmal nebenbei noch Nützliches für die Umwelt tun. Dieser Samstag war so ein Tag. an dem sich beides perfekt verbinden ließ. Ich schlief bis 12, ging dann zum Markt und konnte dort mit einer neuen Foodsharerin Gemüse und Brot vor der Tonne retten. Es gab dieses Mal so viel, dass wir die Hälfte in unsere Fairteiler (faire Verteiler) bringen konnten. In diesen Regalen kann sich jeder Mensch nehmen, was er braucht. Da wir bei Facebook inzwischen fast 2000 Follower haben, sind die Regale in den letzten Monaten immer nach ein paar Stunden wie leergefegt.

Bei Foodsharing mitzumachen ist ganz einfach: man beginnt auf der Homepage mit einer Anmeldung: foodsharing.de. Vorher kann man nur wenige, privat zu verschenkende Lebensmittel-Standorte sehen, aber danach kann man in seiner Region zu einem Treffen gehen und nach einer Einführung viele schöne Lebensmittel von kooperierenden Betrieben abholen.

 

Als nächstes stand auf meinem Programm die Silent Line von der Albert Schweitzer Stiftung Erfurt. Dies ist ein stiller Protest für eine vegane Lebensweise, bei dem alle paar Meter in einer langen Reihe Menschen in schwarzer, einförmiger Kleidung stehen, und Schilder mit „Nutz“tieren halten.

Silent Line auf einer Flaniermeile Jenas.
So ähnlich sieht das dann auf der Straße aus. Foto ©Nico Lanyi.

Es waren viele Leute von ProVeg Jena da, über die ich auch zu der Veranstaltung gefunden hatte. Ich konnte nur einen Teil der Zeit kommen, da mir eine Erkältung der letzten Woche noch nachhing, aber es war eine super Aktion: Jede Menge Passanten schauten erstaunt, bestürzt, verlegen und vorwurfsvoll. Eben das gesamte Spektrum, mit dem man der Aussage auf den Schildern

„Massentierhaltung abschaffen“

begegnen kann. Ich hörte Kommentare wie:

„…die stehen hier den ganzen Tag!“

„Papa, was machen die?“ – „Die wollen, dass die Tiere besser leben… also weil, manche Tiere werden ganz eng zusammen gehalten…“. Und auch einmal:

„Ooch, du liebe Güte… na, dann esst doch Menschen“.

~

Anschließend war es Zeit für’s Abendessen und ich war eingeladen! Ein Freund war mit Kumpeln am Fluss, wo wir tatsächlich direkt am Wasser chillen und grillen konnten! Es war alles vegetarisch, umso schöner reinzuhauen! Danach gingen wir ein bisschen baden, das heißt, wir stapften mit den bloßen Beinen durch einen seichten Teil der Saale durch Seegras und über Sandbänke, bis wir in der starken Strömung fast die Füße vom Boden weggerissen bekamen. Es ist herrlich, dort den unterschiedlichen Wellen zuzusehen, sich kräuselndes, dunkles Wasser geht über in klar unterscheidbare Ströme, die bergab immer kräftiger werden und in Strudeln übereinander herfallen. Dort versteht man sein eigenes Wort kaum und ist doch nur ein paar Meter weiter gegangen. Wir sahen der Sonne beim Untergehen zu, die grünen Bäume zu allen Seiten bewegten sich im Wind, die Hitze wich, Wochenendfeeling kehrte ein.

Natürlich ist auch dort der allgegenwärtige Müll nicht fern. Unter den Füßen spürt man Kronkorken oder Plastikteile im Gras. Im Sand rutscht immer wieder eine der tausend Kippen zwischen die nackten Zehen… Igitt. Im Wasser liegen Eisenteile, schwimmen Tüten und stecken Bierflaschen im Schlick.

Dieses Ufer ist sehr beliebt, aber geliebt wird es trotzem nicht. Ich erfuhr, dass auch meine Kumpel dem Freizeitvertreib des Müllsammelns immer wieder frönen! Sie hatten schon einen Haufen größerer Utensilien zusammengetragen, zu dem ich noch ein, zwei Stunden lang beitrug. Hier könnt ihr euch daran ergötzen:

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©S. Brüning
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© Chr. Matzdorf

In geteilter Arbeit nahmen wir den Schrott mit zu unseren eigenen Tonnen. Nervig, aber guuut. So war der Platz nach unserem Besuch schöner als zuvor. 🙂

Mir fällt auf, dass sich meine Freizeitaktivitäten nach und nach zu einer Mischung aus Spaß haben und dabei „gutes Tun“ wandeln. Als nächstes werd ich mal einen hippen Trend-Sport aus Schweden ausprobieren, das Plogging. Das bedeutet Joggen gehen und Müll aufsammeln = plocka heißt aufheben plus Jogging macht Plogging! Nix für Hexenschuss, wäre aber einen ungeschönten Praxistest wert.

Hoffentlich passen sich bei vielen anderen Menschen die Verhaltensweisen mehr den Notwendigkeiten an. Ja, was notwendig ist, hängt von der Einstellung ab, daher: Schalten Sie immer mal wieder diesen Kanal ein und überprüfen Sie Ihre Einstellung.

Ein Kommentar zu „Wochenendvergnügungen

  1. Sehr schöner Bericht über ein Wochenende voller toller, interessanter und nützlicher Aktionen.

    Der Kommentar „Ooch, du liebe Güte… na, dann esst doch Menschen“ – wie auch immer er im Original auch gemeint war – macht einem nach einer Weile vielleicht erstmal bewusst, wie selbstverständlich manche Sachen bei unserem Konsum den meisten Menschen sind, bevor man mal etwas ernsthaft überlegt, was man damit eigentlich unterstützt und alles anrichtet.

    Sehr schön finde ich den Bericht vom Samstag Abend mit der Aufräumaktion. Toller Kontrast zwischen der Schönheit der Natur und dem Müll der dort überall rumliegt. Hier sollten sich alle ein Beispiel nehmen. Auch wenn vielleicht nicht jeder stundenlang Müll sammeln kann, so wäre es doch toll, wenn jeder zumindest seinen eigenen Müll mitnimmt oder auch mal einen kleinen Teil vom fremden Müll mit entsorgt, dann könnte man bald noch mehr einfach die Natur genießen.
    Beim Plogging mach ich dann gern mal mit 😉

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