Die ständige Anwesenheit der Tiere

IMG-20180618-WA0002 (2)Vorgestern habe ich anlässlich meines Geburtstages vegan gegrillt. korb

Braten sagt der Thüringer, aber da auf dem Rost für den Thüringer untypische bzw. nie gesehene Lebensmittel brieten, könnte ich das Unterfangen auch Trapezakrobatik nennen, es würde nicht den Brat-Parametern entsprechen. Soweit ich es verstanden habe, verlangen diese als Wohlfühlminimum Dreierlei:

Tierfleisch,

Brötchen,

Ketschup.

Das ist brutal, für jeden ein bis drei Stück Schweinsmuskel auf quälerischer Aufzucht zu kaufen, und mir außerdem zu erbärmlich. Diesmal sollten die Gäste schmecken, dass richtiges Grillen komplett ohne Tierbestandteile lecker ist 🙂

Es gab keine Beschwerden im Vorfeld nach der Ankündigung, was ich vorhabe, aber ein Gast hat das Vorhaben korrumpiert und sich direkt vorBurger.jpg dem Abend ein „Brötchen“ – wohl ein Baguette 😀 x) – gekauft und war satt, da er vermutlich befürchtete, das Angebotene nicht herunterzubekommen. Es gab Linsenburger in Brötchen von Foodsharing mit Tomaten, veganer Mayo (hmmm!) mit frischem Basilikum verfeinert. Als Beilage Wedges, die in Salz, Öl, frischem Thymian und anderen Kräutern knusprig gebacken waren.

Die Burger waren superlecker! Die Wedges waren ziemlich schnell alle und nebenbei gab es ein Riesenpäckchen Schmorgemüse (Zucchini, Aubergine, Tomate, Spargel), einen deluxen Erdbeerkuchen von Maik, Sauerkirschen vom Baum hinterm Haus, wo wir auch saßen und jede Menge zu trinken. Die Ananas, Kleinigkeiten wie die (veganen) Katjes, und 2/3 der Burgermasse wurden nicht einmal angerührt, da waren schon alle satt. Das Rezept aus dem Internet hatte funktioniert. 🙂

Warum heißt dieser Beitrag ’ständige Anwesenheit von Tieren‘? Es gibt (in meinem Leben) kaum ein Essen ohne Tierprodukte, keinen Laden ohne solche, keinen Snack ohne jene. Irgendwie sind unsichtbar im Hintergrund ständig Tierbestandteile da, wobei leider seltenst lebende Tiere beim Einkauf meinen Weg kreuzen oder sonstwo in meinem Alltag auftauchen.

Ich finde es schwer, Tierprodukte zu vermeiden.

Selbstverständlich geht es mir genauso mit Eisen- oder Stahlerzeugnissen, mit Plastik und Gummi, tropischen Früchten, Computerchips oder Fensterscheiben: sie werden irgendwo in der Welt produziert, ich bekomme nur das Endprodukt zu Gesicht. Dabei stört es mich ja auch, wenn die Produktionsbedingungen menschenunwürdig sind oder die Umwelt darunter leidet.

Bei Nahrungsmitteln ist es eben täglich mehrmals der Fall, dass ich mit Produkten konfrontiert bin, deren Herstellungsweise ich nicht vertreten kann. Anderen geht es genauso: sie wissen von einer unmoralischen Lebensmittelindustrie und müssen sich entscheiden, zu welchem Anteil sie daran teilnehmen, Teil des Problems sind.

Nicht nur das Essen von Tieren und Tierprodukten nervt mich, weil es im Normalfall beklagenswert produziert worden ist, auch ein Teil (wie groß?) der restlichen Lebensmittel und Produkte, die wir kaufen, sind viel zu häufig in ausbeuterischer Art entstanden. Das irritiert und regt mich auf. Es kostet viel Mühe und Zeit, erst die Infos über die Konsumprodukte einzuholen und aufzufrischen, bevor man sie sich „holt“. Es kann doch nicht wahr sein, dass ich für eine rücksichtsvolle Lebensweise das gesamte Gewissen aller anderen produzierenden Köpfe eines Produktes ersetzen muss!

Hier setzt mein Verständnis von „Regierung“ ein. Eine Regierung hakt ein in die Kette von Schritten, die zu einem verkaufsfertigen Produkt führen. Die Vorschriften beißen sich fest, scannen jeden Vorgang, lassen nicht locker, bis alle Schritte bekannt und vertretbar sind (gesetzlich wie moralisch) und „sorgen“ für eine gesunde Welt für die Menschen UND die anderen Lebenwesen. Was von den Anforderungen an die Produktionsprozesse abweicht, wird zumindest bekannt gemacht,(haha!) sodass nicht ein reingewaschenes Werbeprodukt uns im Regal, in der Werbung, in den Online-Shops anlächelt, dessen düstere Geheimnisse wir in mühsamer Aufklärungsarbeit selbst herausfinden müssen.

Die Politik sollte strenge Vorgaben machen, Aufklärung betreiben, prüfen, gesetzlich regeln: nach meinem Verständnis die Richtlinien des Umgangs mit der Welt, die Grenzen setzen, innerhalb deren die Menschen handeln dürfen. Nämlich soweit irgend möglich ohne Schaden an der Welt und ihren Lebewesen anzurichten.

Aber so wie jetzt gewirtschaftet wird, können wir gleich „Möge der Einflussreichere gewinnen“ auf die Staatsflaggen pappen.

IMG-20180615-WA0000[1]

2 Kommentare zu „Die ständige Anwesenheit der Tiere

  1. Zu dem veganen grillen/braten/auf Holzkohle erhitzen (wie man auch immer es nennen mag^^) kann ich nur sagen, es war sehr lecker!!!
    Ich selbst bin weder veganer noch vegetarier und werden es in naher Zukunft sicher auch nicht zu 100% dazu schaffen, aber ich konsumiere in den letzten Jahren deutlich weniger Fleisch und gehe viel bewusster mit tierischen Produkten um.
    Es fällt mir in letzter Zeit immer einfacher, zumindestens auf Fleisch und Fleischpropdukte zu verzichten und dabei, auch dank dir, liebe Sophie, viele leckere, gesunde und allem auch ökologisch bessere Alternativen zu entdecken. Es macht Spass, neue, vieleicht auch ungewohnte Rezepte mit verschiedensten Zutaten zu probieren. Sowohl für das Grillen als auch beim täglichen Abendbrot gibt es noch so viele Sachen, die auf den Teller bzw. Grill legen kann, da muss es nicht immer das aus der Kindheit gewohnte Standardprogamm sein.

    Zum weiteren Thema deines Beitrages stimme ich dir zu, dass dem Verbraucher in der Kaufhalle viel zu viel verschwiegen werden darf. Auf einer Packung Erdnüsse muss stehen, dass darin spuren von Nüssen enthalten sind und beim Kuchenbasar im Kindergarten sollten wenn möglich alle allergene Inhaltsstoffe in Omas Kuchen aufgelistet werden, aber bei einer Packung Hähnchenbrust muss nicht drauf stehen, ob die Tiere mit Antibiotika und billigen Mastfutter vollgestopft werden, während sie zusammengepfercht ohne Sonnenlicht in einem düsternen Stall „leben“ müssen. Hier müssen eher Bio-Betriebe mit Zusatzinformationen auf den Packungen explizit darauf hinweisen, dass die Produkte so produziert werden, wie man es eigentlich erwarten sollte.
    Gleiches gilt auch für pflanzliche Produkte, hier wird der Kunde auch nicht informiert, wenn diese nicht nachhaltig angebaut werden oder der unglaubliche Sonderpreis nur möglich ist, weil die Leute, die die Produkte bzw. deren Rohstoffe herstellen, für einen Hungerlohn arbeiten müssen.
    Otto-Normalverbraucher macht sich dann über so etwas gar keine Gedanken und freut sich nur über das Schnäppchen, ohne zu überlegen, warum das überhaupt möglich ist. An dieser Stelle ist die sogenannte Informationspflicht aktuell von der völlig falschen Seite aufgezogen.

  2. Lieber Maik, vielen Dank für den langen Kommentar! Tatsächlich werden in unserer durchregulierten Gesellschaft hohe Normen für eine Auszeichnung wie das Bio-Siegel angesetzt. Gleichzeitig werden aber gesetzeswidrige, gesundheitsgefährdende, ausbeuterische Zustände seit langem „akzeptiert“ – weil an den entscheidenden Stellen Menschen nicht willens sind, sie zu ändern. Siehe als simples Beispiel den Abgas-Skandal. Oder auch die Waffenexporte aus Deutschland. Ganz allgemein die Vermischung politischer und wirtschaftlicher Aufgaben ist ein dramatisches Kapitel unserer Realität. Dies aufzudecken und dagegen laut zu werden ist die Aufgabe unter anderem dieses Blogs. 🙂

Was denkst du darüber?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.