Der Mist mit dem Müll

Eine Beobachtung von Sophie BrüningIMG_8239

Ich öffne die Haustür unseres vierstöckigen, auffällig durchschnittlichen Wohnhauses und habe vor, den Eimer Papiermüll in meiner Hand in die Tonne vor unserem Haus zu entleeren.

Mich begleitet dabei ein schwaches Gefühl der Aufre­gung, einer vorweggenommenen leichten Verärgerung, das ich in letzter Zeit an mir öfter beim Müll rausbrin­gen bemerke. Und es bestätigt sich mein Verdacht, dass ich meine Absicht nicht ganz ohne Ärger umsetzen kann: die Tonne ist voll, so achtlos mit Pappen voll­gestopft, dass zwar große Lücken unter den obersten Schichten Pappe klaffen, ich sie aber gewaltsam herauszwängen müsste um unsere zusammengefalteten Teeschachteln, Kassenzettel und Werbezeitungen loszuwerden. In diesem Mo­ment lenkt jedoch etwas anderes meine Aufmerksamkeit auf sich. Die öko-brau­ne Mülltonne, Nachbar des blauen Papierbehälters, quillt über, weil in ihrer Mitte ein stolzer Weihnachtsbaum trohnt! Um ihn herum quetschen sich bis über den Rand vielgestaltige Küchenabfälle wie Eier-, Kartoffelschalen und gammelndes Gemüse-gematsche. Schön schimmelig, leicht schleimig. Der Tonneninhalt ist definitiv nicht für solch eine Zurschaustellung geeignet.

Ich frage mich fassungslos, wer auf solch eine wahrhaft praktische Lösung kommt – wo doch überall auf Weimars Straßen die Bäume an den Rändern liegen. Nun, es überrascht mich nicht mehr wirklich, nachdem in den zwei Jahren, die ich hier wohne, die Mülltonnen regelmäßig überfüllt waren. Sie waren zum Haareraufen falsch sortiert, Säckeweise Verpackungen landeten achtlos im Restmüll und reulos wurde Restabfall in der Biotonne deponiert. Höhepunkte waren offene Müllsäcke, die mit stinkendem Inhalt wochenlang neben den Tonnen verwesten, weil die Müllabfuhr sich wohl ab einem gewissen Grad der Verwahrlosung quer stellt. Im Winter, erinnere ich mich dabei mit einem warmen Gefühl in der Brust, wurden sie von einer des Anblicks müden Seele mit Schnee zugeschippt.

Nun also der Baum im Biomüll. Der Straßenrand allerdings ist auch nicht der korrekte Platz für nadelnde Bäume: sie sollen in Wirklichkeit an die Müllsammel­plätze wo man auch Altglas und -kleider loswird! Dort werden sie den ganzen Januar über kostenlos mitgenommen. Die Regelung für die lustige Knut-Zeit ist leider von Stadt zu Stadt unterschiedlich – nur einfach aus dem Fenster werfen ist, außer vielleicht in Schweden, überall verboten. Es lohnt sich daher, einen Blick ins Amtsblatt oder die Tageszeitung zu werfen, in denen regelmäßig Updates zu den aktuellen Trends im Cleaning-System erscheinen.

Vielleicht, überlege ich, wusste es der Baum-Ber­serker auch einfach nicht besser und befand „Biomüll passt immer noch besser als Papiertonne“ als er den Baum hineinstopfte. Vor kurzem allerdings lag in jedem Briefkasten für genau solche Grundfragen ein bunt gestaltetes Heft mit fast vollständigen Infos zum Thema Abfallentsorgung in Weimar (nicht enthalten war das Schadstoffmobil: eine sehr praktische, mobile Sondereinheit, durch die überflüssiger Terpentinersatz, abgelaufene Medikamente und eingetrockneter Nagellack fachgerecht entsorgt werden können).

Im Internet findet sich natürlich ein halbwegs aktueller Ratgeber: https://stadt.weimar.de/fileadmin/redaktion/buergerservice/Aktuelle_Angebote/Abfallratgeber_2012.pdf

Besser so ein Infoheft zu bekommen, im Zweifelsfall auch einmal hineinzuschauen, als einen Brief von der Hausverwaltung, wie wir ihn vor ein paar Monaten erhielten. Damals nämlich flatterte als Reaktion auf die verdorbene Hausmüll-Situation von höherer Instanz ein Brief ins Haus. Uns wurde vorgeworfen, wir, die Mieter, würden unseren Müll nicht angemessen trennen. Ändere sich die Disziplin in dieser Angelegenheit nicht, bekämen wir eine weitere Restmülltonne, die uns Mieter extra kostet – zweifellos um die zusätzliche Müll-Verbrennung zu finanzieren.

Der Brief richtete sich offensichtlich an die anderen Mieter. Unsere kleine WG hat in der 3-Mann-Küche nämlich 6 Sammelbehälter für 6 Sorten Müll. Papier, Glas, Bio, Verpackungen, Reste und Pfandflaschen. Nein, das stört uns nicht! Wir verfolgen mit Enthusiasmus das Jäger-und-Sammler-Prinzip: Lebensmittel im Supermarkt jagen, Nahrungsmittel raus-häuten, Reste in zuständiger Ordnungseinheit platzieren. Ich denke an die Werbekampagne der Stadtwirtschaft und sage leise: „Trennt euch! Es tut doch gar nicht weh!“

Sorgen über Entsorgung: Bin ich damit die Einzige?

Aber ich reiße mich zurück in die Gegenwart: der Müll stinkt. Ich drehe mich auf dem Absatz um und gehe hoch erhobenen Kopfes zur Straße: ich habe es nicht nötig, die Papp-Mülltonne auszuräumen! Ich als aufmerksamer Bürger weiß, wo es eine weitere Möglichkeit gibt, meinen Müll – erlaubterweise – loszuwerden. Ich steige also die circa 20 flachen Stufen des kleinen Weges gegenüber von unserem Haus hinauf zur Wertstoffsammelstelle. Dass diese auf der kleinen städtischen Anhöhe liegt, braucht keinen besonderen Hinweis: Der Weg ist gewöhnlich deutlich kenntlich gemacht mit kleinen und größeren Müll-Fragmenten.

Oben angekommen biege ich um die Ecke zur Sammelstelle – und stampfe mit dem Fuß kräftig auf den mit Noppenfolie dekorierten Boden auf. Die Gelben und Blauen Riesenbehälter mit den Schiebedeckeln sind verschwunden. Nur die Schaumkuss-förmigen Glasbehälter haben den Beginn des neuen Jahrs miter­lebt. Ach richtig, zu Jahresanfang wurden in Weimar die Wertstoffsammelplätze aufgelöst… Es soll ein Hol-System etabliert werden, also die Bürger bekommen alle eine Gelbe Tonne und, wenn sie noch keine haben, eine Blaue und die Müllabfuhr HOLT den Müll am Haus ab.

Wie viel Müll wir machen dürfen, ist vorberechnet.

Wie viel tatsächlich entsteht, damit hat keiner gerechnet.

Nur noch eine Gelbe Tonne für das ganze Haus… angeblich sind 15 l das angemessene Volumen, welches jedem Haushalt in der Tonne zusteht. Ob das reicht? Unsere Tonnen quellen ja schon über, seitdem voriges Jahr die Frequenz der Besuche durch die Müllabfuhr halbiert wurde. Nur noch alle zwei Wochen erklingt nun ganz früh morgens das vertraute Gelärme vor dem Fenster.

Dabei sehe ich die Männer in den leuchtend orangenen Anzügen so gern! Sie symbolisieren für mich eine frisch riechende Küche, einen nur zu einem vernünftigen Level gefüllten Biomülleimer, die Möglichkeit, die belastenden Zivilisationsreste jederzeit wegzaubern zu können. Aber noch ist es eine utopische Vorstellung, Menschen hätten nach hunderttausend Jahren Existenz inzwischen die Müllfrage mit einem sauberen, nachhaltigen Abfall-system beantwortet.

Nein, leider sehe ich diese kristallklare Traumblase an den scharfkantigen Scherben der Flasche Nordhäuser vor mir am Boden zerplatzen, aber es hilft ja nichts. Ich eile zum Haus zurück, stelle unseren unaufdringlichen Papiereimer in die Ecke neben der Eingangstür und gehe erstmal Erledigungen machen. Einkäufe. Einige neue Verpackungen werde ich dabei mitkaufen, denn Bioprodukte in Papiertüten kann ich mir en masse einfach nicht leisten.

Als ich zurück komme, hängt in unserem Hausflur ein Din-A4-Blatt mit einem handgeschriebenen Text bedeckt:IMG_8235

Eine klare Beschwerde! Toll, daran hat­te ich auch schon gedacht. Ich zücke sogleich meinen Kugelschreiber um ih­rer Mitteilung etwas von meinem Wis­sensschatz hinzuzufügen. „Weihnachts­bäume werden kostenlos auf den Stra­ßen abgeholt! Sie sind kein Biomüll!“ Das sind Gartenabfälle und Gras­schnitt schließlich auch nicht.

Das ganze Problem ist ja nicht allein unseres, es existiert in unserer Stra­ße, unserer Stadt, ja noch viel prekä­rer und schockierender in vielen Län­dern der Welt – aber soweit führt die­ser Artikel nicht. Bei uns in Deutsch­land ist es schließlich schwierig genug mal in Frieden seinen Müll runterzubringen. Mit reinem Gewissen. Da sind so viele Fragen: Gehören Plastik- und Metallteile in die Gelbe Tonne oder nur die mit grünem Punkt o. ä. drauf? Wird das ganze Zeug eigentlich verbrannt? Oder nur ein Teil? Oder wird getrennt und recycelt, was vielleicht genau genug getrennt wurde? Müssen Gläser ausgespült werden und bleiben die Verschlüsse drauf? Und auch, macht das Rote Kreuz eigentlich Kohle mit meiner alten Kleidung?

Richtige Entsorgung sollte keine Meinungsfrage sein

Da diese Fragen die meisten Bürger direkt beantworten können – nur oftmals mit ziemlich unterschiedlichen Antworten, sehen Müll-Entsorgungs-Stätten oftmals nach Meinungsverschiedenheit aus. Ich glaube ehrlich, dass viele Bürger sich eigentlich Mühe geben wollen – aber sich nicht neben ihren eigenen täglichen wirtschaftlichen Interessen mit dem „Kreislaufwirtschaft = Abfalltrennung und Verwertung“ auseinander setzen möchten. Es dauert ja auch gut und gern ein ganzes Sonntagsfrühstück lang, sich den kompletten Ratgeber zu Gemüte zu führen – nicht gerade eine Beschäftigung, die ganz oben unter den Prioritäten der meisten landen wird. Die Ratgeber sollten vielleicht in die Allgemeinbildung einfließen, zum Beispiel stelle ich mir kurze, animierte Lehrfilme auf den Busfernsehern vor, (kennen Sie die?) mit denen jeden Tag andere faszinierende Zusammenhänge der Müll-Welt aufgedeckt werden. Zum Beispiel: Sondermüll ist oftmals giftig und schadet, falsch entsorgt, doch tatsächlich der Umwelt (Boden, Hunden, Kindern, eben solchen bodennahen Lebewesen).

In welchem Haus und welcher Nachbarschaft läuft das mit der Müllentsorgung eigentlich so richtig gut? Ehrlich gemeinte Frage, gibt es da Umfragen zu? Eigentlich müssten es die Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, denn so heißen sie ganz richtig, die „Müllmänner“, alle ziemlich gut beurteilen können. Ich werde mal einen netten fragen…

Eine Vision aus der Zukunft

Als ich in die Wohnung komme berichtet mit meine Mitbewohnerin gleich aufgebracht vom Egoismus der Baum-Berserker, was ich ja schon gesehen habe. Dann fährt sie mit belustigter Mine fort mir eine andere Geschichte zu erzählen: Im ALDI hätte sie heute in der Paprika-Box jede Menge einzelner, aus den Hüllen gedrehter Paprikastrünke vorgefunden, also Stiele ohne Schoten. Jemand hat wohl schon im Supermarkt seinen Biomüll reduzieren wollen. Wir lachen über dieses seltsame Verhalten, doch da kommt mir der Gedanke, dass dies ein Müll-Trend werden könnte. Falls die Abholzeiten noch stärker gekürzt werden und einfach kein Platz mehr in den Mülltonnen ist. Oder Entsorgung teurer wird.

Werden wir bald im Kaufland kurz vor der Kasse hektisch die Pappen von unseren Muffins, Milchschäumern und Müslis reißen? Müssen wir angesichts der Enge in unserem Biomüll bald die Eier im Geschäft aus ihren Pappkartons klauben und in unsere Innentaschen stopfen? Oder gar Dosenmais vor dem Kauf in wiederverwendbaren Kühlbeutel entleeren? Und was geschieht den Kunden, die vom Personal beim Müll-deponieren erwischt werden..? Sozialstunden wären eine mögliche Folge, als Sortierer im Schatten eines friedlichen Müllbergs.

Die Zukunft der Müllentsorgung? Mal langsam, eigentlich ist die ja schon geplant! Politisch längst festgeklopft. Es wird gerade Schritt für Schritt das „Hol-System“ etabliert, Müll-Sünder werden mit höheren Mieten bestraft, wie gehabt. Aber welche Wege unsere Abfälle wirklich nehmen, nachdem wir sie aus den Augen verloren haben, ist doch irgendwie immer noch ein Geheimnis oder? Wir wollen sie ja auch aus dem Sinn haben, möglichst aus allen Sinnen. Denkt man jedoch an Elektro-Müllberge in Afrika, wo Menschen auf den europäischen IT-Schrotthaufen ein ganzes Dasein fristen, kann einem dennoch aus der Entfernung übel werden.

Einen Tag später hat ein weiterer Mitbewohner des Hauses auf den Aushang reagiert: Er stimme zu, er habe einen künstlichen Baum… Weitere Stellungnahmen folgen nicht. Auch nicht zu den Elektroschrottbergen im Keller,  die – taktisch klug – unter der Treppe gestapelt wurden, sodass keine Zuordnung möglich ist.

Es wird wohl weiterhin in unserem Haus den Zankapfel Müll geben. Ich habe aber langsam den Eindruck, nicht mehr allein mit meiner Verärgerung darüber zu sein. Vielleicht lässt sich gemeinsam ein klein wenig verbessern?

Für den nächsten Müll-Bericht nehme ich mir vor, herauszufinden, wie groß der Anteil an unserem Müll ist, der wirklich recycelt wird und wie groß derjenige, der in den Müllverbrennungsanlagen landet. Ein beliebtes Argument der Sortier-Verweigerer-Fraktion, von dem ich gespannt auf die Wahrheit bin. Außerdem ist eine weitere grundlegende Frage zu klären: wie vermeidet man den Müll überhaupt erst!?

Bis dahin frohes sich-trennen, dazu die folgenden Tipps!

?

!

Was zählt zu Sondermüll??

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber wohin mit dem Sondermüll?

Eine lange Liste, aber logisch

  • Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren
  • chemische Reinigungsmittel
  • Farben und Lacke, welche nicht wasserlöslich sind
  • Lösungsmittel, lösungsmittelhaltige Stoffe
  • Holzschutzmittel
  • Altöl in Haushaltsmengen max. 15 l
  • Teer- und Kaltanstrich
  • ölhaltige Betriebsmittel
  • Säuren, Laugen und andere Chemikalien
  • Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel
  • Medikamente
  • Tonerkartuschen
  • Fotochemikalien
  • Quecksilber und quecksilberhaltige Rückstände
  • Kitt- und Spachtelmasse
  • Batterien
  • Kfz-Batterien → kostenpflichtig
  • Spraydosen mit schädlichen Reststoffen
  • Halon-, Chlorbrommethan- und Tetrafeuerlöscher → kostenpflichtig

 

  •  Wertstoffhöfe oder Schadstoffmobil
Elektro / Elektronikmüll

Wohin mit Lahmtop, DVDVerspieler und oller TV-Röhre?

Will das noch jemand haben?

Markengerät an den Hersteller zurück!

Wenn sie wirklich schrott sind: Wertstoffhöfe

Umhören, ob jemand den PC noch weiternutzen möchte! Zum Beispiel Bibliotheken, Kindergärten oder Schulen.

Vielleicht! Online verschenken auf http://www.alles-und-umsonst.de

Die meisten größeren Elektronikmärkte wie Saturn, Media Markt und Conrad nehmen Ihren alten Computer kostenlos zur Entsorgung entgegen

Was ist mit regulären Glühbirnen? Sie sind Restmüll! = auch Hausmüll genannt
Kommen Gläser, Glasflaschen etc. mit ihrem Deckel in den Behälter? Nein, obwohl viele Verschlüsse noch dran sind, gehört der Deckel  AB!

Bitte auch Ausspülen, dann in die Glastonnen der Wertstoffsammelstellen

Dürfen nur Wertstoffe mit Grünem Punkt in die Gelbe Tonne? Nein, das hat sich geändert. Alle Verbundstoffe (TetraPack…), Kunststoffe, Metalle und Holz sollen gesäubert und leer hinein.
Papier nass und dreckig..? Nur sauberes, trockenes Papier in die Tonne!
Weitere Fragen? werden auf den Seiten der Stadtverwaltung geklärt. Als Download findet man den vollständigen Abfallratgeber unter „Entsorgung“ unten auf der Seite einfach das Wort anklicken

Quellen:

Abfallratgeber 2012 der Stadtwirtschaft Weimar: IMG_8243

http://sw-weimar.de/swg/entsorgung/abfallratgeber/)

Kommunalservice Jena: www.ksj.jena.de

www.helpster.de Hat auch super Tipps. Nicht nur zu Müll.

Was denkst du darüber?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.